Bezugnahme auf Gott

ueber_gott_sprechen

Die Bezugnahme auf “Gott” finde ich immer wieder interessant…
(Also: wirklich interessant! nicht herablassend zynisch oder belächelnd gemeint.)

Gott wird dir auch nicht helfen, Trottel. [Youtube comment by Tar Morion: Verletzte Seelen Doku über das Massaker von Erfurt - 10 Jahre nach dem Schulmassaker in Erfurt]
“Gott wird dir auch nicht helfen, Trottel.” [Youtube Kommentar: Verletzte Seelen Doku über das Massaker von Erfurt – 10 Jahre nach dem Schulmassaker in Erfurt]
Ich glaube ich bin so’was wie ein “Post-Atheist” (“Anatheist”?) oder (schlicht) “Agnostiker”… aber das trifft es auch nicht so wirklich exakt.
Ich habe wenig Zweifel daran, dass es etwas gibt, das man als “Gott” bezeichnen kann. (Man kann zweifellos etwas finden und erfinden, das man mit dem Bezeichner “Gott” sinnvoll assoziieren kann.)
Wenn man will, dann kann man Gott finden und eine echte, ehrliche, wirksame Verbindung zu Gott aufbauen.
Das glaub’ ich ehrlich… (oder: Davon gehe ich aus…) Und das funktioniert wahrscheinlich dann am besten, wenn man den Bezeichner “Gott” frei von Illusionen, spekulativen Annahmen, vorgefassten Dogmen oder pauschalen Vorwürfen hält… dann kann Gott zu einem wesentlichen Aspekt der Wirklichkeitserfahrung werden.
Die aufrichtige Frage nach einer Wirklichkeit hinter dem Bezeichner “Gott” kann sogar dazu motivieren blenderische/ illusorische Vorstellungen über “Gott und die Welt”/ über das Leben/ über die Menschen und über einen selbst bewusst zu machen und abzulegen.
Die aufgeschlossene Frage nach “Gott” kann sinnvoll, interessant, inspirierend, aufschlussreich, spannend oder zumindest unterhaltsam sein.

“Gott” ist unbestritten das MEGA-Kofferwort überhaupt.
Je weniger Müll & Ballast wir in die Bezugnahme auf “Gott” packen, desto weniger haben wir auf unserer Reise zu schleppen. Es gibt jedenfalls kaum ein Wort, das mehr belastet und bepackt ist, mit fixen Ideen, Vorurteilen, Spekulationen und Spinnereien. Und Atheisten sind gegen fixe Ideen, Vorurteile, Spekulationen und Spinnereien alles andere als immun.

Ironischerweise wird man “Gott” eben nicht so einfach los, indem man “Gott” pauschal ablehnt oder verteufelt und verurteilt.
Gerade die aggressive, insistierende Negation und Verurteilung Gottes zeugt von einer intensiven Beschäftigung mit (enttäuschten oder enttäuschenden) Vorstellungen von “Gott”.

Mir fällt auf, dass Menschen in einer negativen Bezugnahme auf “Gott” eigentlich immer Enttäuschungen über die Welt/ die Menschen und das Leben verarbeiten.
In diesem Sinne sehe ich Atheismus (oder auch Formen von “Satanismus”) eigentlich als “Via Negativa”/ als “apophatische Theologie”.
Atheisten (“Antitheisten” oder “Satanisten”) suchen in gewisser Hinsicht “Gott” darin zu ergründen, dass sie das leugnen und ablehnen, was Gott eben nicht sein kann, wenn man die Bezugnahme auf “Gott” ernst nehmen wollte.
Offenbar geht es in den unterschiedlichen Spielarten der Ablehnung Gottes immer um enttäuschte Vorstellungen und Ansichten, die mit der Referenz auf “Gott” oder auf spirituelle Ideen & religiöse Symbole in Verbindung gebracht werden.

Wenn man oft genug mit naiven, illusorischen, heuchlerischen oder einfach unglaubhaften Ideen und Vorstellungen über “Gott” konfrontiert worden ist, dann tendiert man verständlicherweise dazu, die Referenz auf “Gott” negativ zu belegen und abzulehnen. Besonders die Beobachtung von religiöser Heuchelei und Doppelmoral wirkt zweifellos extrem enttäuschend und abschreckend. Aber dabei geht es eben auch nicht um “Gott”, sondern um korrumpierte menschliche Ideale, Glaubensansichten und Charaktereingenschaften.

Ich denke allerdings, dass man letztlich nur auf den Irrsinn und Unsinn herein fällt, den Menschen über “Gott” erzählen, wenn man enttäuschte Vorstellungen und Ideen nicht loslassen kann.
Letztlich fehlt es ja nicht an “Gott”, sondern es geht darum falsche und verlogene Vorstellungen zu überwinden. Man kann also offenbar verkehrte Vorstellungen von “Gott” fallen lassen, ohne dass man die Frage nach “Gott” deswegen negativ oder zynisch beantworten muss.

Ich will nicht vorgeben besser zu wissen was Gott ist… Jedes mal, wenn wir so tun als ob wir verstehen, was Gott will oder was Gott mit uns und der Welt, die wir erleben, vor hat oder zu tun hat, riskieren wir eine harte, unangenehme/ peinliche Kollision mit unserer Beschränktheit, Hybris und Ignoranz…
Aber ich hör’ mir gerne an, was Menschen über “Gott” zu erzählen haben.
Und das ist nicht immer nur dumm, unsinnig, abgehoben oder verblendet…
Auch atheistische, negative Ideen und Vorstellungen von “Gott” können zum Denken anregen.
Meiner Erfahrung nach kann man den eigenen Horizont massiv erweitern, wenn man die Frage nach “Gott” offen hält und wenn man aufgeschlossen an spirituelle, religiöse oder kosmologische/ philosophische Fragen herangeht. Man kann Ideen und Vorstellungen über “Gott” sammeln und dabei eine Menge lernen.
Zumindest über Menschen — über deren Lebenseinstellungen/ seelische Disposition und Perspektiven auf die Welt…

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