Persönliche Lebenserfahrungen mit Alkohol, Drogen, Psychedelika (LSD). Experimente, Erlebnisse, Umgang, Aufprall, Reflexion & Abstinenz

(Ich schreibe mir hier einfach mal meine bisherigen Lebenserfahrungen ehrlich und offen von der Seele. Bitte nicht erschrecken! Ich will mich kurz fassen, aber das ist unvermeidlich ein längerer Text geworden.)

Ich hab’ eigentlich lange schon darüber nachgedacht, meine persönlichen Erfahrungen mit Drogen und Psychedelika aufzuschreiben. Es geht dabei mehr um die Erfahrungen, als um mich selber… Und vieles davon ist auch schon lange genug her, sodass ich hier und heute darüber mit dem notwendigen emotionalen Abstand schreiben kann.
Vielleicht gibt es Menschen, die das interessiert und unter Umständen kann ich dem einen oder anderen sogar helfen, ähnlich ambivalente Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten.

Wenn ich ein Fazit aus meinem bisherigen Leben ziehen kann, dann ist es wohl das:
Lass’ los, was Dich kaputt macht!

Ich habe recht früh schon Erfahrungen mit Alkohol (und Drogen) gemacht.
Schon mit 14 und 15 Jahren wiederholt komplett besoffen über den Lenker von meinem Mountainbike gestürzt und habe immer noch fehlende Ecken an den Schneidezähnen…
Wir sind am Wochenende immer mit Freunden zum Saufen in den Wald gefahren… mit billigem Whisk(e)y und Schnaps (+Nirvana, Industrial und Sk8-Punk.)… wie bekloppt.

Einer meiner besten Freunde (damals) ist einige Jahre später (als wir ca. 16/17/18 Jahre alt waren) schon stark alkoholabhängig geworden und betrunken in den Unterricht gekommen.
Der Kontakt mit ihm ist irgendwann abgerissen. Ich glaube er war dann auch lange weg in Therapie… Ich kann nur hoffen, dass es ihm heute besser geht.
Einer meiner Brüder ist seit einigen Jahren akut alkoholkrank. Er war bis vor ein paar Wochen noch in Therapie und hat leider vorzeitig wieder abgebrochen. Seine Wohnung hat er vor einiger Zeit schon verloren und er ist hoch verschuldet. Zur Zeit habe ich ihm mein Zimmer zur Verfügung gestellt…
(Alkohol ist eine extrem riskante, widerliche Droge. Wenn man nicht aufpasst frisst der Alk die Seele des Menschen, würgt sie hoch und kotzt sie säuerlich und halb-verdaut wieder aus. Mit Alkohol hat er immer wieder emotionale Abstürze… wird aggressiv/ destruktiv, wenn er trinkt. Er leidet unter Panikattacken und Angststörungen… Die Situation momentan ist nicht leicht, aber ich komm’ klar. Ich bin selber kaum mehr zuhause. Hab’ mich ausquartiert. Ich hoffe, dass er wieder seinen Weg findet… Gestern hab’ ich ihm vorgeschlagen zusätzlich zu regelmäßigen Therapiestunden und Gruppensitzungen vielleicht mal Yoga zu lernen… Wäre eine Idee! Tai-Chi, meinte er… irgendwas, was ihn wieder locker macht, was seine Perspektive erweitert und die Löcher in der Seele repariert.)

Mein Interesse an (psychedelischen) “Drogen” ist ironischerweise durch mein Interesse an Spiritualität entfacht worden. Ich habe mir Bücher von Tim Leary & Alduous Huxley geholt, Jahre bevor ich psychoaktive Substanzen/ Psychedelika (Cannabis & LSD) probiert habe.

Ich war sicher nie der typische Kiffer. Das erste mal, als ich mir einen Kanten Haschisch geholt habe, hab’ ich das komplett überdosiert. (2 Gramm in den Kaokao gerührt!)
Ich bin daraufhin mit ein paar völlig ahnungslosen, nüchternen Freunden und Klassenkameraden in die Stadt gefahren und in irgendeiner kleinen Disco gelandet, wo ich mich fast verlaufen habe. Ich glaube ich war im Zombie-Modus. Ziemlich peinlich.
Insgesamt war das ein beinahe traumatisierender, stark psychedelischer Rausch.
Ich hatte auch ein paar angenehmere Erfahrungen, aber ich mochte Kiffen/ Haschisch-Rauchen nie so wirklich, weil ich immer den Eindruck hatte, das macht mich paranoid und verklebt meine Sinne. Meine besten Freunde, mein Mitbewohner und meine Freundin, bei der ich zeitweise gewohnt habe, waren Dauer-Kiffer. (Die waren locker und freundlich, solange sie ihren Pegel gehalten haben. Wenn sie nichts zu rauchen hatten, gab es Stress. Dann waren sie angespannt, genervt und aggressiv. Ich hab’ das Kiffen irgendwann komplett sein lassen, weil ich gemerkt habe, dass es mich nicht sonderlich erbaut oder ‘high’ macht. Eher im Gegenteil.)

Meine Erfahrungen mit Psychedelika waren überaus ambivalent.
Mit LSD (und Amphetaminen) habe ich sprichwörtlich “Himmel & Hölle” erlebt.
In gewisser Hinsicht waren das vielleicht sogar die intensivsten “spirituellen Erfahrungen”, die ich bisher erlebt habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die “psychedelische Erfahrung” dem Zustand des “Samadhi” sehr nahe kommt.
Das waren prägende Erfahrungen, die ich kaum aus meinem Leben wegdenken kann.
Dieses Experiment kann ich aber niemandem empfehlen, weil ich Jahre gebraucht habe, um meine intensiveren Eindrücke und Erlebnisse und Gedanken zu verarbeiten und ich kann auch nicht sagen, ob mein Leben ohne diese Erfahrung besser oder schlechter verlaufen wäre. (Ich habe die Vergleichsmöglichkeit ja nicht…) 

Es gibt ein sehr aufschlussreiches Kommentar über die LSD-Erfahrung von dem bekannten amerikanischen Autor und Religionswissenschaftler Alan Watts :::

(englisch)

1:37 “I don’t think You’ve gone into this deeply enough. […] This drug is something You have to learn how to use…
[… 3:01 :]
I was very embarrassed by this, because I thought, gee, You cannot get mysticism out of a bottle…

// but –> 3:17 “When Timothy Leary got in the act, all caution was thrown to the winds and he thought […] everybody ought to be turned on… I wasn’t so sure about that… I wouldn’t say everybody ought to…”

Ich hatte den Eindruck, dass es den Erfahrungen sehr nahe kommt, die ich von Zen-Buddhisten, Mystikern und spirituellen Lehrern als “Samadhi” oder als transzendentale Bewusstseinserfahrung vermittelt bekommen habe.
(Andersherum könnte ich auch sagen: Das, was man in buddhistischen, spirituellen und mystischen Texten lesen kann, spiegelt in vielen Aspekten das wieder, was ich in der psychedelischen Erfahrung erlebt habe.)
Allerdings ist es so, dass ich mich wie unvermittelt und unvorbereitet in diese transzendentalen Bewusstseinszustände “geschubst” gefühlt habe. Anfangs (bei relativ geringer Dosierung) waren die Zustände und Erlebnisse, die ich auf LSD erfahren habe, inspirierend und erhellend, über jede Beschreibung hinaus.
Meine gesamte Umwelt empfand ich wie belebt und beseelt und (übersinnlich) verflochten. Und es war in gewissen Zuständen schwierig zu sagen, ob man selbst ‘in der Welt’ ist, oder ob die “Welt”, die man erlebt gleichsam aus dem eigenen Sein & Selbst heraus-strömt.
Alles war wie verbunden, verflochten und eins… Grenzen zwischen ich/ Selbst und Umwelt verschwommen…
Ab einem gewissen Grad der ‘Immersion’ in diese Zustände erschien mir die Erfahrung jedoch ‘verdächtig’ und zunehmend unangenehm und beklemmend. Ich hatte den Eindruck, dass ich auf eine unheimliche Weise unmittelbar “verantwortlich” war, für alles, was sich ereignet. (Eben auch für Peinliches und Unangenehmes…) Und diese gefühlte “Verantwortlichkeit” hat mich erdrückt. Ich hatte den Eindruck eine Welt zu tragen, die ich (in meinem spirituell unreifen oder unreinen Zustand) nicht tragen konnte. Mir ist alles, was ich erlebt habe (sozusagen) ziemlich nahe gegangen  und ich habe alles, was passiert ist, sehr persönlich genommen, auch wenn es objektiv wahrscheinlich nicht viel mit mir zu tun hatte. (Peinliche Selbstentgrenzung.)
Ich hatte die beunruhigende Sorge, dass ich durch mein Denken und Fühlen die Integrität der Realität (oder die Konsistenz meiner Wirklichkeit) stören oder verzerren oder gar zerstören könnte. In diesem (durchaus psychotischem) Zustand sind mir sehr ‘niedere’ Wesen begegnet… Ich bin auf meinen Trip Menschen begegnet, die auf mich seelisch stark entstellt und entfremdet gewirkt haben. Es war wie ein Abstieg in niederste Ebenen der Wirklichkeit. (… höllisch… verstörend… traumatisierend…)

Wo Anfangs alles befreit, geordnet und freundlich, tanzend und farbig und ästhetisch gewirkt hat, da war ich plötzlich umgeben von Schmutz, Hässlichkeit, Wahn, Chaos und Krankheit. Sogar Gerüche wurden beißend, künstlich und unangenehm. Und ich hatte den Eindruck, dass ich auf spiritueller Ebene “schuld” an diesem Fall oder Abstieg war.
Dabei hat es auch nicht geholfen, dass ich mit 18/ 19 Jahren von meinem Vater ordentlich Prügel bezogen habe, als ich einmal komplett überspannt und durchnächtigt auf Pervitin/ Amphetamin und LSD zuhause einkehren wollte.

Amphetamin und “Ritalin” (Methylphenidat) habe ich später sogar fachärztlich verschrieben bekommen, als ich vom Neurologen ein “Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom” (ADHS/ ADS) diagnostiziert bekommen habe.
Mit Amphetaminen hatte ich weniger üble Erfahrungen (Schlafdefizit kann allerdings ekelhaft sein!). Im Endeffekt hatte ich auch den Eindruck dass Ritalin mich in eine Art “Tunnel” schickt. Ich hatte auf Methylphenidat oft überhaupt keine Lust, Menschen zu treffen. Sogar wenn das Telefon geklingelt hat, war ich genervt.
Irgendwie hat sich mein Hirn auf Dauer auch vergiftet angefühlt und ich hab’ auch das Ritalin abgesetzt und Amphetamine sein lassen.
Der berüchtigte “Abtörn” auf MDMA oder “Ecstasy” war mir irgendwann auch zu anstrengend.

Ich hatte auf meinen späteren LSD-Erfahrungen oft den Eindruck, dass ich andere Menschen ‘denken hören’ konnte. Auch diese Erfahrung hat mich zunächst beeindruckt aber letztlich auch schockiert und tief beunruhigt.
Ich war mir darüber bewusst, dass derartige Erfahrungen ein klassisches Anzeichen einer Psychose sein können. Deshalb habe ich mich immer dagegen gewehrt, zu sehr auf diese Erlebnisse einzugehen. Ich hab’ darüber kaum gesprochen. Ich bin sozusagen in Sicherheitsabstand zu diesen Eindrücken gegangen, indem ich mir immer vor Augen gehalten habe, dass es sich eben mit hoher Wahrscheinlichkeit um Halluzinationen handelt und dass lediglich die Grenze zwischen Traum- und Wachzustand aufgeweicht zu sein scheint.

// Ungeachtet dessen gibt es aber durchaus Anzeichen dafür, dass zumindest etwas dran ist, an dem Phänomen, das man als “außersinnliche Wahrnehmung” bezeichnet.
Schließlich hat das Leben ständig nachgebessert und neue Sinne entwickelt. So sind stetig immer wieder neue Erfahrungswelten entstanden. 
(Neue Sinne erweitern die Wirklichkeit: Vor der Entstehung von Augen, gab es keine Farben… Vor der Entstehung von Ohren, gab es keine Klänge… Vor der Entstehung von Nasen gab es keine Gerüche… etc.)
Der Prozess der Evolution ist sicherlich nicht abgeschlossen und wer weiß, welche ungeahnten Erfahrungswelten sich selbst-bewussten Lebensformen noch eröffnen. Alles, was messbar ist, kann prinzipiell wahrgenommen werden. Wenn Gedanken elektrisch messbar sind, spricht prinzipiell nichts dagegen, dass Lebensformen auch einen “siebten Sinn” entwickeln. Vielleicht gibt es diesen Sinn eben schon längst. Zumindest gibt es sehr interessante Studien zu Haustieren (Katzen und Hunden), die einen Sinn dafür zu haben scheinen, wann ihr Herrchen heimkehrt. Es gibt auch anständige wissenschaftliche Studien, die das sogenannte Psi-Phänomen an menschlichen Testpersonen untersuchen.
Das ist sicher auch wichtig, dem Phänomen nachzugehen. In Sachen Forschung darf es keine Tabus geben.  //

Inwiefern meine eigenen Wahrnehmungen illusorisch gewesen sind, kann ich nicht zweifelsfrei sagen, aber alleine die Idee einer ‘telepathischen Parallelgesellschaft’ hat mich noch lange beschäftigt.
Ich war schockiert von den Implikationen der Idee, dass es vielleicht tatsächlich Menschen geben könnte, die ganz selbstverständlich telepathisch kommunizieren. (Siehe: “Shining“!.. ?)
Ich habe mir gedacht, dass es in diesem Fall denkbar wäre, dass ein gewisser Teil der Menschheit mit “evolutionärem Vorsprung” eine Art Parallelgesellschaft bildet. Womöglich gibt es Menschen, die (spirituell/ genetisch) vielleicht ein Stück weiter entwickelt sind, als ‘gewöhnliche Menschen’. (homo sapiens/ homo superior?)
Oder ist es sogar umgekehrt? Sind die Menschen, denen der “siebte Sinn” fehlt, vielleicht sogar die “Zurückgebliebenen”..? Bin ich vielleicht sogar Teil einer seelisch behinderten oder spirituell zurückgebliebenen Minderheit und niemand sagt es mir..?
— Das waren die Gedanken, die mir lange Zeit vorgeschwebt sind.

Unangenehm wurde insbesondere das Gefühl, das ich erlebt habe, wenn ich Freunde und Nahestehende verdächtigt habe, in dieser Hinsicht grundlegend unehrlich mit mir zu sein. Ich habe den leisen, quälenden Verdacht gehegt, von jeher belogen worden zu sein, was unsere soziale Wirklichkeit angeht… Mich hat in gewissen Situationen der Verdacht beschlichen, dass viele meiner Freunde und Bekannten und Angehörigen vielleicht sogar zu einer höher entwickelten Klasse Menschen gehören, die durch eine telepathische Begabung ‘eingeweiht’ sind, in einen Kreis der Gesellschaft, der mir bisher verschlossen geblieben ist. (Das ich davon nichts mitbekommen konnte, versteht sich aus dem naheliegenden Grund, dass Telepathen niemals über das Phänomen der Telepathie reden müssen. Lautsprache benutzen die vielleicht nur, um mit “Untermenschen” zu kommunizieren und für diese den Schleier einer Normalität zu wahren. [?])

Dieser paranoide/ schizophrene Gedanke hat mich lange seelisch beeinträchtigt und gehemmt, bis ich gelernt habe, dass auch das ziemlich egal ist:
Ich muss in jedem Fall mit der Welt umgehen, so wie die Welt sich mir zu verstehen gibt. Und es ist im Grunde genommen auch alles in Ordnung, insofern ich selbst mit mir selber und mit meinen Mitmenschen im Reinen bleibe…
Wichtig ist es, dass ich mir selbst und meinen eigenen Einsichten und Idealen treu bleibe. Auf spekulative Ängste und paranoide Verdächtigungen kann ich in jedem Fall verzichten. 

Die paranoide Furcht davor, für Andere womöglich seelisch gläsern, durchschaubar und ‘nackt’ zu sein, habe ich sukzessive überwunden, indem ich mich selber immer mehr bemüht habe, Gewohnheiten und Denkmuster abzulegen, die mir selbst unangenehm sind. (Es sind vor allem Eitelkeiten, die verunsichern.)
Ich habe sozusagen vieles in’s sprichwörtliche “Feuer” geworfen, was ich an mir selbst nicht leiden konnte. Und auf der anderen Seite, habe ich vieles akzeptieren gelernt, was ich (an mir selbst und an meiner Welt) nicht ändern konnte.

Insofern war die psychotische Erfahrung letztlich auch mit einer seelischen Läuterung oder Katharsis verbunden. (Die sicherlich nie wirklich abgeschlossen ist…)
Eine Zeit lang hatte ich mich jedenfalls stark isoliert und zurückgezogen, weil ich durch meine psychedelischen Erfahrungen (und durch die Ideen, die dabei aufgekommen sind) zutiefst verunsichert gewesen bin. Und genau das war verkehrt und krankhaft.
Je mehr ich schließlich die Wände meiner sozialen Abschottung abgetragen habe, desto mehr habe ich andere Menschen, wieder als Menschen mit eigenen Lastern, Fehlern und Irrtümern erlebt oder erkannt.

Als mich diese ambivalenten psychedelischen Erfahrungen eingeholt haben war ich etwa 19/ 20 Jahre alt. Das ist jetzt bald 20 Jahre her. Damals war der Heimcomputer (PC) und insbesondere das Internet ganz neu. 
(Es gibt ein berühmtes Zitat von Tim Leary: “PC is the LSD of the 1990s.” oder auch “Internet is the LSD of the 1990s.”(?)! Und irgendwie ist da auch was dran.) 😉 

Ich denke, dass die Internetkommunikation für mich sogar sehr heilsame Wege eröffnet hat, paranoide Vorbehalte und soziale Ängste abzubauen. Im Netz konnte ich mit einem gewissermaßen unverbindlichen Abstand soziale Kontakte aufbauen, meine Interessens-Horizonte und mein Wissen erweitern, andere Probleme kennenlernen und in blöden Debatten allgemein einfach wieder Menschlichkeiten erleben.

Vor allem hilft es aber anderen Menschen helfen zu können. Das ist gesund.
Abstand zu den eigenen (erfundenen?) Problemen, bekommt man ganz einfach dadurch, dass man anderen Menschen dabei behilflich ist, ganz konkrete und alltägliche Probleme zu lösen. (Computer reparieren, Gartenarbeiten… einfach pragmatisch: Arbeiten.)
Ich habe mich nützlich gemacht, wo ich konnte…
Arbeit und soziales Engagement.
Das war heilsam.

Das hat mir geholfen, soziale Ängste und Hemmungen abzubauen. Ich war nie sonderlich aufgeschlossen… Auffällige soziale Hemmungen hatte ich eigentlich schon von früher Kindheit an. (Vielleicht fällt meine Persönlichkeitsstörung schon unter “Asperger“..? Die Frage hab’ ich bisher noch nicht geklärt, scheint mir aber recht zutreffend.)

Einige drastische Erfahrungen auf LSD habe ich noch auf einer Ibiza-Reise mit Freunden gemacht. Ich kann mich erinnern, wie ich auf einem akuten Horror-Trip an den Strand gegangen bin, um mich ein bisschen locker zu machen… Die See war eigentlich relativ ruhig aber als ich in’s Wasser gehen wollte, hat mich plötzlich eine dicke Welle wieder zurück an’s Ufer gespuckt. (“Ne! Du nicht!” Ich kam mir so vor, als ob die Wirklichkeit selbst gegen meine Blödheit protestiert. Ich wurde vom Universum abgestraft und zurückgewiesen, wie ein ontologisch abgelehntes, spirituell gescheitertes Wesen mit unheimlich wenig Existenzberechtigung…)

Das mit dem LSD hab’ ich dann auch sein lassen, weil das seitdem wirklich keinen Spaß mehr gemacht hat. (Ich habe mich in so krasse Komplexe verrannt, dass es nur noch schmerzhaft gewesen ist.)
Ich höre heute, nach vielen Jahren der bewussten Abstinenz von Psychedelika, ab und zu immer noch (innere) Stimmen… aber das, was ich höre ist in der Regel ziemlich trivial und oft banal und uninteressant. Belastet hat mich im Grunde immer der Eindruck, dass andere mich vielleicht missverstehen oder schlecht von mir denken. (Und das eigentlich ganz unabhängig von dem Erlebnis ‘außersinnlicher Wahrnehmung’. Wahrscheinlich waren die unangenehmen Stimmen, die meinen Alltag seither immer wieder begleitet haben, auf verinnerlichte Selbstkritik zurückzuführen. Je mehr ich aber verstanden habe, dass ich gar nicht so wichtig bin, desto mehr sind die Kritiken, Angriffe und Beleidigungen in meinem Kopf dann auch verstummt. Übertriebene Selbstkritik ist sowieso auch eine ekelhafte Form von invertiertem Narzissmus.)

Heute verstehe ich — vielleicht mehr als früher — dass es ziemlich egal ist, was andere meinen oder denken, solange man sich selber darüber im Klaren ist, wo man steht, was man will und wo es hingehen soll. Ein gewisses Maß an Reflexion und Sensibilität schadet sicher nicht, aber blöd ist es in jedem Fall, wenn man sich von Gedanken und Meinungen Dritter irritieren und völlig aus der Bahn werfen lässt. (Das lass’ ich hier einfach mal als Exkurs zum Thema “Umgang mit ungesunden Folgen psychedelischer Experimente” stehen.)  

Andere Freunde und Bekannte, die viel mehr Drogen und auch Psychedelika konsumiert haben als ich, hatten eigentlich kaum derartige Sorgen, Komplexe oder Ängste…

Einige meiner Drogenfreunde haben heute ganz andere (vielleicht viel drastischere) Probleme… Ein beachtlicher Teil von meinem Bekanntenkreis ist lange schon in Therapie und mehr oder weniger aus dem Leben geworfen. Einige finden allmählich wieder Wege zurück in’s Leben. Einige haben richtig Mist gebaut. Einige waren schon im Knast. Manche sind einfach komplett verschwunden. Manche Leben nicht mehr.

Aber ich muss auch sagen, dass es vereinzelt Leute zu geben scheint, die erstaunlich gut klarkommen, obwohl sie ihr Leben lang immer wieder mal Drogen genommen haben und sogar regelmäßig Drogenexzesse zelebriert haben. Es sind Leute, die offenbar klare Vorstellungen davon haben, was sie wollen und wohin es gehen soll. Leute, die gut vernetzt und sozial eingebunden sind, haben scheinbar weniger Probleme mit Drogen und Alkohol. Ich kann aber nicht sagen, ob hinter der Fassade von seelischer Stabilität, von Erfolg, Zuverlässigkeit und Souveränität vielleicht doch noch Probleme schlummern, die nur wenig zum Vorschein kommen. Es gibt wahrscheinlich Leute, die einen relativ stabilen Umgang mit Zigaretten und Alkohol finden… auch mit Drogen…. Aber das sind erfahrungsgemäß seltene Ausnahmen.
(Ich denke gerade an Altkanzler Helmut Schmidt, der als Kettenraucher doch ziemlich alt geworden ist… Und ich glaube, die älteste Frau der Welt hat auch geraucht bis an ihr Lebensende..? Und andere medizinische Wunder?… )

Wichtig ist es wohl, dass man merkt, wenn man sich schadet/ dass man merkt, wenn es keinen Spaß mehr macht… Und es ist gar nicht so leicht zu merken, wenn der Spaß umkippt.

Ich war eine Zeit lang richtiggehend “Frustraucher”.
Wenn ich so weiter geraucht hätte, wäre ich mit ziemlicher Sicherheit krank geworden.
(Mein Großvater, mütterlicherseits, war Raucher. Er ist mit ca. 60 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Ich war damals erst etwa 5 Jahre alt.)
Aber es war für mich trotzdem nicht so einfach von der Zigarette loszukommen.
Dazu war eine wundersame, schockierende Begegnung nötig.
Hat aber im Endeffekt geklappt.
(Mir ist unvermittelt jemand entgegengetreten, der mir das Rauchen überzeugend ausgeredet hat. Jemand, der offenbar aus Erfahrung gesprochen hat. Aber diese Geschichte will ich an dieser Stelle nicht ausbreiten.)

Wenn man destruktive Muster und Gewohnheiten aufgeben möchte, dann muss man sich erst mal bewusst machen, was man verkehrt macht, welche Konsequenzen man dabei zu erwarten hat und nicht zuletzt auch, was für konstruktive Alternativen sich eröffnen, wenn man destruktive Muster hinter sich lässt. Und es erfordert großen Mut und Überwindung aus dummen Mustern der Selbstzerstörung herauszutreten. Irgendwie gehört wohl immer ein Wunder dazu…

Meine erste Übung in Verzicht und Abstinenz habe ich wohl gemacht, als ich mich entschieden habe auf Fleisch zu verzichten.
Die Fleischfresser-Kultur erschien mir schon suspekt, als ich noch ganz jung war. Es waren vor allem ethische Bedenken (auch im Kontext meiner frühen Begegnung mit buddhistischen und spirituellen Lehren), die mich dazu bewegt haben mit etwa 17 Jahren damit aufzuhören, das Fleisch toter Tiere zu essen. Das war ein Prozess… Ein Schlüsselerlebnis war eine Schnitzelsemmel im Pausenhof im Gymnasium in der 9. Klasse, wenn ich mich richtig erinnere. Ich bin grundlos aggressiv geworden… Ich habe gemerkt, wie ich den Stress von dem getöteten Tier aufnehme… Das hat mich überzeugt das Fleisch-fressen sein zu lassen.

Insbesondere, wenn man sich mit einem Laster identifiziert, ist es nicht einfach loszulassen… Auch wenn man merkt, dass man sich sukzessive kaputtmacht.

Von verinnerlichten Lastern loszulassen ist immer ein bisschen so, als ob man etwas sterben lässt. Aber da muss man durch. Wenn das Krankhafte endlich stirbt, gibt es wieder viel mehr Platz für Leben!
Und das kann man auch üben.

Fasten ist eine gute Übung.
Um christliche Fastenzeiten schert sich leider niemand sonderlich.
In der Fastenzeit vor Ostern gibt es immer reichlich zu futtern und einige Familienfeste…
Ich hatte früher im Büro allerdings Kollegen, die Moslems sind.
An Ramadan faste ich seitdem immer mal wieder mit.
Dieses Jahr hab’ ich sogar ziemlich streng die Fastenzeit eingehalten.
Und so’was kann helfen, Willenskraft aufzubauen. Bewusst verzichten. Durchhalten.
Das kann helfen, Laster und schlechte Gewohnheiten zu erkennen und loszuwerden.
Das sind Übungen in Abstinenz, die auch immunisieren können, gegen Sucht und Abhängigkeiten.

 

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