Schutz des Urheberrechts – Ein politisches Anliegen. – Was steht dahinter?

Ein Witz über Filmpiraterie hat mich gerade zu dieser (älteren) Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführt:

“… Ich weiß, dass wir eine gesellschaftliche Diskussion brauchen, die deutlich macht: Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Dieses muss immer wieder deutlich gemacht werden…” (meint Mutti Merkel, // 2011?)

Muss es das?
Warum eigentlich?

Jedes mal, wenn ich mir so etwas anhöre, denke ich mir:

Ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel ist so wichtig wie nie.

Heute hört sich das Gerede über den “Schutz von Urheberrecht” noch viel unsinniger an, als bereits vor 6 Jahren…
Wie viele Menschen müsste man sinnlos bespitzeln, kriminalisieren und bestrafen, wenn man in diese Richtung weiterdenkt..?

Die bestehenden rechtlichen Vorschriften und Konflikte um das Urheberrecht sind ein gefundenes Fressen für parasitäre Anwälte, die ihren Lebensunterhalt damit [bestreiten], Kinder im Internet zu bespitzeln und Familien durch juristische Drohbriefe zu erpressen.

Dass Künstler kaum vom Verkauf ihrer Werke auf reproduzierbaren Medien leben können, daran sind nicht die Raubkopierer schuld. Wir werden überschwemmt mit Filmen, Musik und Spielen… und das große Geld landet (wenn überhaupt) letztlich auch nur bei den größeren Verlagen, Filmvertrieben, Medienkonzernen und Produktionshäusern.

Wie könnte man sich gesellschaftlich Wege aus diesem Dilemma erschließen?

Die diskutierte Problematik “Urheber- & Vermarktungsrecht” ist schließlich nur deshalb relevant, weil wir grundlegend darauf konditioniert werden Rechte und Ansprüche voreinander in Ritualen ökonomischer Kompensation und Rechtfertigung auszuhandeln.
In der Regel müssen wir voreinander Ansprüche auf Teilhabe und Unterstützung im Ritual der Preisverhandlung und Bezahlung legitimieren.
Daher erleben wir selbst auch nur im Ausnahmefall die Freiheit eigene Leistungen unabhängig von der Aussicht auf wirtschaftliche Kompensation anbieten zu können. Wir müssen uns bezahlen lassen, weil wir andere bezahlen müssen. Es darf kein Weg an der Kasse vorbeiführen.
Der Wunsch von Künstlern, Autoren, Musikern und Filmemachern den Austausch von digital reproduzierbaren Informationen einschränken, reglementieren und kontrollieren zu können, ist daher im Paradigma der ökonomischen Kompensation und Rechtfertigung also klar nachvollziehbar.

Die Situation wäre eine völlig andere, wenn wir uns auf konsequent solidarische Formen der sozialen Integration und Vernetzung einlassen würden:
Wenn wir uns nämlich so arrangieren, dass wir unabhängig von wirtschaftlichen Kompensations- und Rechtfertigungsritualen mit Unterstützung und Teilhabe rechnen können, dann könnten wir auf hilflose, reaktionäre Forderungen wie die Sicherung urheberrechtlicher Einschränkungen verzichten.

Wenn wir uns von Grund auf offen und solidarisch vernetzen würden, könnten wir auf das manipulative Spiel der Vermarktung verzichten. Dann müssten wir uns um Probleme wie den Schutz des Urheberrechts keine Sorgen mehr machen.
Dann könnten prinzipiell alle künstlerischen Werke, digital frei geteilt und verfügbar gemacht werden, ohne dass jemand dabei ernstlich zu Schaden käme oder um den Verlust von Investitions- und Versorgungssicherheiten fürchten müsste.
Solange wir unsere gesellschaftliche Teilhabe aber weiterhin durch Rituale der wirtschaftlichen Kompensation voreinander rechtfertigen müssen, blicken wir auf eine problematische und hochgradig konfliktträchtige Zukunft. Dann müssen wir unsere Vermarktungsrechte verteidigen und Menschen kriminalisieren und verfolgen, die sich frech über urheberrechtliche Einschränkungen hinwegsetzen. Und was sind das für niederträchtige Menschen, die so etwas tun? Vielleicht Menschen, die im Paradigma der ökonomischen Abgrenzung und Rivalität versagt haben. Vielleicht Menschen, die auf der Strecke geblieben sind, keine hinreichende Bildung oder Förderung erfahren haben… Menschen, die einfach keine Arbeit mehr bekommen, weil ihre Leistungen durch die Folgen der Automation und Digitalisierung überflüssig geworden sind. Vielleicht Menschen, die im Alter viel zu wenig Rente ausbezahlt bekommen, als Folge der strukturellen Veränderungen die wir aktuell erleben.

Solange wir aber am Paradigma der ökonomischen Kompensation und Rechtfertigung festhalten, werden diese massiven Probleme unseren gesellschaftlichen Alltag bestimmen.
Menschen werden durch ein Raster geschubst und prallen aufeinander… verletzen sich und landen im Dreck.
All das muss ja eigentlich nicht sein.
Wir geraten offenbar immer mehr aus der Balance, wenn wir uns versteifen und erstarren.

Es kommen Probleme auf uns zu, die unsere gesellschaftliche Stabilität bedrohen.
Wenn wir einen Kollaps verhindern möchten, dann geht es nun darum dass wir uns gesellschaftlich weiter bewegen.
Es wird Zeit die Idee “social networking” ein Stückchen weiter zu denken.
Offene, solidarische soziale Vernetzung zur Überwindung eines verkrusteten, toxischen gesellschaftlichen Paradigmas.
Vielleicht ist das der sprichwörtliche nächste Schritt, der notwendig ist, um die Gesellschaft vor dem drohenden Zusammenbruch zu bewahren.

Das ist vielleicht aber auch weniger eine Forderung, die man an eine politische Führung richten könnte. Es geht letztlich darum, Strukturen gesellschaftlicher Kommunikation und Vernetzung in unserem Alltag zu etablieren, in denen uns solidarische Formen der sozialen Interaktion und Problemlösung jenseits der Bezugnahme auf das Kriterium Wirtschaftsmacht nahegelegt werden.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s