Die Abenteuer von Rick & Morty: Philosophischer Pessimismus & Zynismus

Ein Freund hat mir vorhin ein Video aus dem Youtube-Kanal von OPEN MIND gezeigt:

Es geht um die Cartoon-Serie “Rick and Morty”. Interessant fand ich das, weil hier philosophische Grundfragen in den Fokus gerückt werden. Zitiert werden existentialistische Philosophen, wie Albert Camus und Jean-Paul Sartre.
Manuel (Green Rabbit) & Simon (OPEN MIND) vertreten in ihrer Abhandlung der Thematik allerdings Positionen, die mir philosophisch fragwürdig erscheinen.

Eine pauschal pessimistische Abwertung unserer Existenz ist meiner Ansicht nach mindestens genauso absurd, wie Versuche dem Leben eine absolute & spezifische Sinnhaftigkeit zuzuschreiben.

Wenn Morty im Cartoon seiner Mutti erklärt, dass es objektiv keinen Sinn im Leben gibt (“Nobody exists on purpose… Everyone’s gonna die!..“), dann übersieht er doch, dass es schließlich und letztendlich überhaupt keinen zuverlässigen absoluten, pauschalen oder objektiven Bewertungsmaßstab für Sinn im Leben gibt. Der Maßstab zur Bewertung von Sinn und Bedeutung geht flöten, wenn der Kontext nach oben und unten unendlich/ undefiniert geöffnet wird.
Das “existenzielle Dilemma” ist im Grunde nur projiziert.
Die Projektion einer existenziellen Sinnkrise kann man als Konsequenz illusorischer Vorstellungen verstehen.
Ein Dilemma oder eine Krise erlebt man schließlich nur dann, wenn man an einem projizierten Anspruch auf einen objektiv ermittelbaren Lebenssinn festhält.
Der Anspruch ist offenbar fundamental irreführend und illusorisch.
Rick ist demnach eigentlich nicht desillusioniert und aufgeklärt. Er beantwortet die Frage nach dem Sinn des Lebens pauschal negativ und zynisch, weil er annimmt, dass seine pessimistische Einschätzung der Sinnhaftigkeit unserer Existenz das Ergebnis einer objektiven Einsichtnahme in höhere Zusammenhänge der Wirklichkeit ist.
Wenn Rick einfach nur gesunde Zweifel an der Objektivität seiner Wahrnehmung und Einschätzung zulassen würde, dann wäre es einfacher für ihn, seiner projizierten Sinnkrise zu entgehen.

Hört Euch mal an, was *Alan Watts* zu dem Thema zu sagen hat. Er vermittelt eine sehr entspannte, humorvolle Einstellung zur existenziellen Sinnfrage und zitiert unter anderem auch Camus in seinen Vorträgen.

Mir fällt jedenfalls nicht ein, wie man eine objektiv sinnvolle und pauschal gültige Antwort auf die Frage nach dem Sinn unserer Existenz finden sollte.
(Ist das nicht eine regelrecht absurde Fragestellung? Die Frage nach einem “Warum” in einem schwimmenden Kontext… Eine grundlose Suche nach Gründen im Unergründlichen?..)
Die pauschal negative, pessimistische Beantwortung der Sinnfrage ist jedenfalls mindestens genauso unsinnig, wie spezifische, spekulative Versuche positiver, optimistischer Sinnprojektion auf das Leben.
Man kann dem Leben vielleicht keinen absoluten Wert oder Sinn zuschreiben.
Mindestens genauso absurd ist es aber unserer Existenz Wert und Sinnhaftigkeit pauschal absprechen zu wollen!
Ist unser Leben/ unser Sein&Dasein nun (“sub specie aeternitatis“) verschwindend irrelevant, weil es (womöglich) eine sehr kurze, einsame und isolierte Episode in der Geschichte des Uni- oder Multiversums darstellt?
Oder ist diese Episode menschlicher Existenz auf diesem verschwindend kleinen Staubkorn namens Erde vielleicht gerade deswegen so unfassbar interessant und einzigartig, WEIL wir überhaupt keinen Vergleichsmaßstab für unsere isolierte Erfahrungswelt im großen, weiten oder gar unendlichen Kosmos finden können?
Wie man es dreht und wendet.
Es wäre absurd und naiv zu glauben, man hätte zu einer rationalen, vernünftigen Einsicht über den objektiven Sinn oder Wert des Lebens gefunden. Eine absolute Leugnung von Sinnhaftigkeit ist mindestens genauso irrational, absurd und naiv wie Versuche positivistischer Zuschreibung von Lebenssinn.

Die Frage nach der Einschätzung einer objektiven/ absoluten Sinnhaftigkeit, Bedeutung oder Wertigkeit unserer Existenz ist an sich schon absurd und unsinnig.
Fragen nach Bedeutung, Wert & Sinnhaftigkeit lassen sich jeweils nur im Rahmen spezifisch definierter Kontexte einigermaßen sinnvoll beantworten.
Das Problem ist, dass es schwierig ist einen absoluten Kontext zur objektiven Bewertung der Sinnhaftigkeit unserer Existenz zu finden. Das bedeutet, dass jeder Versuch dem Leben und der Existenz einen absoluten Sinn zuzusprechen oder abzusprechen als gleichermaßen absurd zu verstehen ist.
Das bedeutet wiederum, dass das Problem des Existenzialismus nur projiziert ist. Die Fragestellung selbst ist absurd.
Im Endeffekt geht es (für uns alle – im Leben -) darum, dass wir ein Lebensgefühl finden, das es uns erlaubt unser Leben als lebenswert zu empfinden.

Wenn man ein pauschales Motiv sucht, das man dem Phänomen Leben in der Betrachtung der gesamten Bandbreite kosmischer Existenz zusprechen kann, dann ist das letztlich vielleicht nur der Wille zur Fortsetzung des Lebens.
Zweifellos kann man als “kleinsten gemeinsamen Nenner” der Motivation aller beobachtbaren Lebensformen den Drang zur Selbsterhaltung und Fortpflanzung erkennen, der mit Prozessen der Mutation und Fortentwicklung einhergeht.
(Somit folgt das Phänomen Leben zumindest dem “Ethischen Imperativ” nach Heinz von Foerster: „Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“ )
Offenbar geht es darum den Spielraum der möglichen Erfahrungswelten immer weiter auszubauen und nach oben zu öffnen.
Auch wenn man auf ein zu erwartendes Ende dieser stetigen Fortsetzung und Fortentwicklung des Lebens blicken möchte, kann man sich ein 5-dimensionales Konstrukt von Raumzeit vorstellen, in dem alles, was sich im Rahmen der kosmischen Entfaltung zugetragen und verwirklicht hat für alle Ewigkeit als Raumzeit-Struktur “niedergeschrieben” bleibt.
Nur wenn man an einer naiven Vorstellung von Raum und Zeit festhält, in der Vergangenes für ewig im Fluss der Zeit untergeht, kann man melancholischen, pessimistischen Gefühlen der Trauer über Tod und Vergänglichkeit anheim fallen.
Das ist unter Umständen der fundamentale Irrtum des Philosophischen Pessimismus (Zappfe, etc…)!
Pessimistische Gefühle im Hinblick auf Sinn oder Unsinn unserer Existenz sind alles andere als objektiv/ sachlich und aufgeklärt. Eine Melancholie dem Leben gegenüber resultiert aus einer sehr subjektiven, isolierten und eingeschränkten Betrachtung der Welt. Plausible Gründe für eine melancholische & pessimistische Lebenshaltung sind in jedem Fall in enttäuschten (illusorischen) Ansprüchen an das Leben zu suchen.

In jedem Fall ist es naiv & (im ursprünglichen Wortsinn) idiotisch, das eigene subjektive Lebensgefühl als absolut vernünftig, illusionsbefreit und sachlich zu begreifen.
Vielleicht ist die hartnäckigste Illusion, der wir regelmäßig anheim fallen, die Annahme, dass wir eine rein sachliche, objektive Position in der Bewertung von Sinnzusammenhängen einnehmen können.

Wir schützen uns bereits davor, in die tragische Falle einer existenziellen Sinnkrise zu tappen, wenn wir uns nur der absurden Anmaßung enthalten, aus unserer begrenzten, isolierten Perspektive heraus einen pauschal gültigen Maßstab absoluter Bewertung der Sinnhaftigkeit unserer Existenz finden zu können.

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