Free Lunch Society? Gedanken zum BGE/ Grundeinkommen

Durch den Film “Free Lunch Society” (von Christian Tod) rückt die Idee “Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)” aktuell wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit.

Die wesentlichen Argumente für ein bedingungsloses Grundeinkommen, die im Film thematisiert werden, halte ich sogar weitgehend für plausibel.
Es gibt zur Klärung der Positionen der BGE-Befürworter auch ein paar Interviews und Diskussionen mit Christian Tod, die man sich online (for free) ansehen kann.
Der Film läuft gerade (noch?) in den Kinos.

Ein kaum bestreitbares Argument gegen das bedingungslose Grundeinkommen ist die Aussicht darauf, dass bezahlte Lohn-Arbeit unweigerlich teurer werden wird.
Stichwort: Inflation.
Der Busfahrer muss nicht mehr Bus fahren.
Der Busfahrer wird zunächst als Arbeitnehmer in eine viel bessere Verhandlungsposition gerückt. Das scheint zunächst wie eine positive Entwicklung. Damit die Busse trotzdem fahren, muss man dem Personal mehr Geld bieten. (Nicht nur dem Busfahrer, sondern auch den Damen und Herren, die früh morgens sauber machen sollen, die die Busse reparieren und warten, etc.)
So wird der Preis der Fahrkarte zumindest auf lange Sicht merklich steigen.

Man kann also davon ausgehen, dass das Geld, das man geschenkt bekommt, zumindest auf lange Sicht wieder entwertet wird, sodass man immer mehr Geld verschenken müsste, damit das Grundeinkommen auch zur Sicherung gesellschaftlicher Teilhabe (wie gedacht) funktioniert.
Die Konsequenz regelmäßiger Geldgeschenke für das gemeine Volk ist schlicht eine zunehmende Steigerung von Lohnkosten, die zudem noch mit einer gesteigerten Warennachfrage bei Konsumgütern einhergehen wird.
Wenn Produktionskosten steigen und wenn zudem auch die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen gesteigert wird, dann steigen auch die Preise.
Waren und Dienstleistungen werden also zunehmend teurer, wenn Bürger pauschal Geld vom Staat geschenkt bekommen.Viele kleine und mittelständische Betriebe werden erhöhte Lohnkosten schlicht nicht mehr bezahlen können und aufgeben.

Geld erhält seinen Wert dadurch, dass Menschen strukturell gezwungen sind, wert-schöpfende Arbeit zu verrichten. Die Last, die wir uns durch die Ausschüttung eines Grundeinkommens im besten Fall für einige Zeit von den Schultern nehmen könnten, die wird schließlich nach unten verlagert…
Wenn wir hierzulande alles ökonomisch einebnen, dann ist “unten” eben anderswo.Wenn die Produktion von Waren und Dienstleistungen bei uns zu teuer wird, dann arbeiten letztlich Leute für uns, die noch auf ein Einkommen aus (billiger) Lohnarbeit angewiesen sind. Das heißt, wir könnten einige Zeit mit der verschenkten Kaufkraft Waren aus dem Ausland importieren und einkaufen, aber (so traurig es ist) die Welt wackelt, wenn die strukturellen Zwänge ausgehebelt werden, die unserer ökonomischen Produktivität zugrunde liegen.Solange wir an Geld glauben, wird sich wenig ändern, in der Welt.

Wenn wir wirklich wollen, dass sich in der Welt etwas (zum Besseren) verändert, dann sollten wir uns bemühen Horizonte der gesellschaftlichen Interaktion und Kooperation aufzubauen, in denen Rituale der ökonomischen Verhandlung von Ansprüchen und Pflichten irrelevant werden.
Es geht demnach um die Frage, wie es uns gelingen kann, neue Muster der offenen/ transparenten, solidarischen Interaktion und Kooperation zu etablieren.
Vielleicht sogar ein viel radikalerer “Paradigmenwechsel”, der aber völlig unabhängig von politischen Entscheidungen und Beschlüssen ablaufen kann.

Eine dezentral organisierte Bewegung von unten wäre wünschenswert und in ihrer Wirkung viel überzeugender und nachhaltiger, als jede politische Maßnahme, die von oben herab beschlossen und durchgesetzt werden muss.

Vielleicht kann man durch geeignete Infrastrukturen der “sozialen Vernetzung” kommunikative Voraussetzungen schaffen, unter denen uns ein Verzicht auf Rituale der ökonomischen Kompensation nahegelegt, erleichtert und vereinfacht wird … ?
Darüber denke ich nach…

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s