Vegetarisch oder doch besser vegan? Sind Milch und Eier okay?

Dieses Video hat mich beeindruckt:

Sie bringt ihre Haltung und ihre ethischen Einsichten richtig gut rüber, spricht frei heraus, ehrlich, authentisch und sympathisch.

Ich selber hab’ mit 17 Jahren schon aufgehört Fleisch zu essen, weil mir einfach keine guten Gründe mehr eingefallen sind, warum ich das Tierleid in Kauf nehmen sollte, das einfach unvermeidbar ist, wenn ein Lebewesen sein Leben auf der Schlachtbank lässt.
(Tiere bluten und schreien, wenn sie geschlachtet werden. Das Leid von Tieren ist – der Form und dem Ausdruck nach – unmittelbar vergleichbar mit Leiden, die Menschen empfinden, erleben und zum Ausdruck geben, wenn man sie gewaltsam tötet. Die Ansicht, dass Pflanzen auch leiden, wenn man sie tötet und isst, halte ich für bedenkenswert und diskussionswürdig. Allerdings sind die Leiden, die Pflanzen empfinden, für Menschen und Tiere höchstens auf einer abstrakten Ebene einsehbar. Wenn wir das Leiden von Tieren hinnehmen wollen, dann müssen wir Strategien entwickeln, um empathische Instinkte auszublenden oder zu unterdrücken. Ich hätte wohl kaum ein Problem damit ein Tier zu jagen und zu essen, wenn mein eigenes Überleben davon abhinge, allerdings steht es uns aufgrund kultureller und zivilisatorischer Errungenschaften hier und heute frei, ob wir lieber Fleisch oder Gemüse essen wollen um satt zu werden. Wenn wir also trotzdem Tiere schlachten und essen, dann tun wir das aus kulinarischen Gründen. Ich möchte nicht für den gewaltsamen Tod von Tieren verantwortlich gemacht werden, nur weil das Fleisch vielleicht besser schmeckt, als fleischlose Alternativen. Das ist mir nicht Grund genug.)

Allerdings esse ich bisher (noch?) Milchprodukte und Eier. Und ich glaube auch, dass das im Grunde genommen ethisch vertretbar ist.
Ich kaufe Milch und Eier “aus guter Haltung”.
Und das wesentliche Problem, das ich dabei wahrscheinlich auch “ausblende”, ist, dass das fromme Versprechen auf “gute Haltung” auch in der Milchwirtschaft und im Legebetrieb nicht wirklich/ optimal eingelöst wird oder eingehalten werden kann.
Mein Gewissen hab’ ich bisher immer beruhigen können, mit dem Gedanken, dass eine ethisch korrekte, natürliche, tiergerechte & humane Milchwirtschaft doch zumindest theoretisch denkbar wäre:
Es wäre zumindest vorstellbar, dass Milchkühe ein Leben lang mit ihrer “Familie” oder Herde, mit den Kälbern und vielleicht sogar mit dem Papa Stier auf der Weide verbringen.
Anders als beim Fleischverzehr, bei dem ein gewaltsamer Tod des Tieres wohl unvermeidlich ist, könnte man also Milch für den menschlichen Verzehr abschöpfen, ohne die Kuh oder die Kälber zu schädigen, zu beeinträchtigen oder zu quälen und gewaltsam zu töten.

Ähnlich könnte man sich auch bei Legehennen eine naturnahe Form der Hof-Haltung vorstellen, bei der ein Überschuss an (vorzugsweise unbefruchteten) Eiern für den menschlichen Verzehr beiseite gelegt wird.

Das Problem ist, dass das Leben kein Ponyhof ist.
Unsere Wirtschaftslogik lässt diesen Traum vom optimalen Bauernhof platzen.
Wenn nach dem Muster Kostenminimierung und Profitmaximierung produziert werden muss, dann funktioniert kein Bauernhof auch nur annähernd so harmonisch und tierlieb, wie man sich das theoretisch vielleicht vorstellen könnte.

Deswegen muss ich mir wohl trotzdem vor Augen halten, dass die Milch eben in der allgemein üblichen landwirtschaftlichen Praxis kein ethisch einwandfrei vertretbares Produkt ist.
Aufgrund unserer Wirtschaftslogik und den damit einhergehenden (industriellen) Produktionsmethoden geht die Milchwirtschaft üblicherweise mit dem Leiden und dem gewaltsamen Tod von Kälbern einher.
Und die Produktion von Eiern lässt sich wohl leider auch in Bio-Betrieben nicht ethisch einwandfrei bewerkstelligen.
Auch wenn die Hennen, frei herumlaufen und im Optimalfall alle Küken, die ausgebrütet werden ein glückliches Leben auf dem Hof verbringen, so verzehrt man doch letztlich mit jedem Ei ein potenzielles Lebewesen.
Wenn ich das richtig sehe, dann ist der Verzehr von Eiern dann zumindest genau so ethisch fragwürdig wie Abtreibung.
Wenn man Glück hat, dann erwischt man aber womöglich ein unbefruchtetes Ei. Wenn man das sortieren könnte, dann wäre der Verzehr von Eiern vielleicht noch ethisch vertretbar, insofern keine “Kollateralschäden” an ausgebrüteten, männlichen Küken entstehen.

Aber das sind eben Wunschvorstellungen, die an der landwirtschaftlichen Praxis vorbeigehen.
Das muss ich wohl oder übel einsehen.

Also werde ich mir das auch mal gut überlegen, ob ich die aktuell üblichen Formen, der industriellen Landwirtschaft an der Kasse unterstützen möchte.
(Vielleicht klau’ ich dann in Zukunft lieber meine Milch und meine Eier… Zur Strafe für die absurde Misswirtschaft, … Unsinn, aber Trotzdem: Es ist schon bitter grotesk, wenn man sich vorstellt, dass das Tierleid eigentlich vermeidbar wäre, wenn man auf brutale, industrielle Produktionsmethoden verzichten würde, die sowieso nur zur sinnlosen Überproduktion landwirtschaftlicher Güter führen. Stichwort: “Milchseen”!
Da fragt man sich schon, ob es nicht möglich wäre, einen gewissen Überschuss an Kuh-Milch unter ethisch vertretbaren Bedingungen für den menschlichen verzehr zu abzuschöpfen, ohne Tiere zu schädigen.

Aber es gibt ja auch ganz passable Alternativen zu Kuhmilch. Ich hab’ sowieso neben der Milch immer schon Soja-, Getreide- und Hafer-Drinks im Kühlschrank (und drumherum).
Vielleicht lass’ ich die Kuhmilch in Zukunft dann auch einfach mal im Supermarkt stehen.
Und auf den Verzehr von Eiern kann man wahrscheinlich auch ganz gut verzichten.
Fehlt uns dann Eiweiß, oder ist das auch nur eine Legende der Ernährungsindustrie?

Solange man nicht allgemein davon ausgehen kann, dass wir (in naturnaher Symbiose mit Kühen und Hennen) Milch und Eier abbekommen, ohne Tiere zu schädigen, wäre es demnach ratsam, die Industrie zu boykottieren und damit im Sinne einer verantwortlichen Tierethik Zeichen zu setzen.

Wenn letztlich weniger Kühe auf der Weide stehen, dann werden auch weniger klimarelevante Treibhausgase produziert.
(Aber vielleicht ist das wieder ein Argument für’s Fleisch-Essen: Je schneller wir das furzende Vieh schlachten und aufessen, desto besser schützen wir das Klima unseres Planeten.;)

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